Kein Team in der Geschichte des Fussballs hat die letzten drei WM-Turniere so dominiert wie Frankreich: Weltmeister 2018, Finalist 2022, und jetzt Titelverteidiger 2026 mit einem Kader, der auf dem Papier noch stärker wirkt als die Siegermannschaft von Moskau. Zwei Sterne auf der Brust, der dritte zum Greifen nah — und doch steht zwischen den Bleus und der Unsterblichkeit ein Turnier, das mit 48 Teams, 104 Spielen und einem Monat Belastung neue Massstäbe setzt. In Gruppe I warten Senegal, Norwegen und der Irak — keine unüberwindlichen Hürden, aber Teams mit genug Qualität, um einen schlechten Tag zu bestrafen. Ich analysiere, ob Deschamps‘ Mannschaft das Zeug hat, Geschichte zu schreiben — oder ob der Druck der Titelverteidigung zu schwer wiegt.

Kader und Stars

Es gibt Kader, und es gibt den französischen Kader. Wenn Didier Deschamps seine 26 Namen bekannt gibt, wird die Liste wie ein Who’s Who des europäischen Klubfussballs klingen — Spieler von Real Madrid, Arsenal, Liverpool, Bayern München, PSG, Inter Mailand, AC Milan. Das Problem ist nicht die Qualität, sondern die Auswahl — Deschamps muss Weltklassespieler zu Hause lassen, weil schlicht nicht genug Plätze vorhanden sind. Kingsley Coman, Christopher Nkunku, Dayot Upamecano — Namen, die bei jedem anderen Land in der Startelf stehen würden, könnten den Kader verpassen. Dieses Luxusproblem hat in der Vergangenheit schon Turniere gekostet, wenn die Chemie nicht stimmte. 2010 in Südafrika zerbrach die Mannschaft an Egos und internem Streit — der Busstreik von Knysna ist bis heute ein Trauma des französischen Fussballs. Unter Deschamps ist das anders — der Trainer hat seit 2012 eine Hierarchie aufgebaut, die Einzelinteressen dem Kollektiv unterordnet. Wer nicht mitzieht, fliegt raus — fragen sie Adrien Rabiot oder Karim Benzema.

Kylian Mbappé ist der unbestrittene Star und Leader. Bei Real Madrid hat er nach einem schwierigen ersten Halbjahr — Anpassungsprobleme, taktische Differenzen mit Ancelotti, eine Torflaute im Herbst — seine beste Form gefunden und in der Rückrunde 22 Tore in allen Wettbewerben erzielt. Seine Geschwindigkeit, sein Abschluss und seine Fähigkeit, Spiele im Alleingang zu entscheiden, machen ihn zum gefährlichsten Spieler des Turniers. Kein Verteidiger der Welt kann Mbappé auf 30 Metern stoppen, wenn er den Ball am Fuss hat und Raum zum Beschleunigen findet. In der Qualifikation erzielte Mbappé 9 Tore in 10 Spielen, darunter einen Hattrick gegen die Niederlande in Paris, der die Diskussion um seinen Status als bester Spieler der Welt für einen Abend beendete. Bei der WM 2022 schoss er einen Hattrick im Finale gegen Argentinien — ein Leistungsnachweis, der ihn endgültig in die Kategorie der WM-Legenden hebt, neben Pelé, Müller und Ronaldo. Die Frage ist nicht, ob Mbappé liefert, sondern ob die Mannschaft um ihn herum die gleiche Intensität erreichen kann — und ob Mbappé in den stillen Momenten, wenn ein Spiel 0:0 steht und die Räume verschwinden, die Geduld aufbringt, die grosse Turniere fordern.

Antoine Griezmann, mit 35 Jahren vor seiner vermutlich letzten WM, bringt die taktische Intelligenz mit, die Mbappés Talent in ein funktionierendes System einbettet. Griezmanns Rolle hat sich über die Jahre gewandelt — vom Torjäger zum Spielmacher, vom Stürmer zum Zehner, der Räume liest, Bälle verteilt und die Laufwege der Mitspieler orchestriert. Seine Statistiken in der Qualifikation (3 Tore, 6 Assists) erzählen nur die halbe Geschichte — sein Einfluss zeigt sich in der Art, wie Frankreich als Team funktioniert, wenn er auf dem Platz steht: flüssiger, schneller, intelligenter. Sein Zusammenspiel mit Mbappé ist telepathisch: Griezmann zieht Verteidiger an, Mbappé stösst in den freien Raum — ein Muster, das die Bleus seit 2018 perfektioniert haben und das gegnerische Trainer nachts wach hält.

Im Mittelfeld thront Aurélien Tchouaméni als Sechser und Abschirmung der Abwehr. Der Real-Madrid-Profi hat sich in den letzten zwei Jahren zum besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt entwickelt — seine Balleroberungen, seine Passqualität und seine physische Präsenz machen ihn zum Fundament des französischen Spiels. Neben ihm bieten Eduardo Camavinga und Youssouf Fofana unterschiedliche Profile: Camavinga als dynamischer Box-to-Box-Spieler, Fofana als disziplinierter Balancegeber. N’Golo Kanté, der Held von 2018, dürfte als erfahrener Backup von der Bank kommen — seine beste Zeit ist vorbei, aber seine Mentalität und sein Spielverständnis bleiben wertvoll.

Die Abwehr ist Frankreichs heimliche Stärke. William Saliba und Ibrahima Konaté bilden ein Innenverteidiger-Duo, das Jugend, Athletik und Premier-League-Erfahrung vereint. Saliba, bei Arsenal zum Weltklasse-Verteidiger gereift, ist erst 25 und spielt bereits seine dritte Saison auf absolutem Topniveau. Sein Stellungsspiel ist fehlerfrei, seine Zweikampfquote in der Premier League liegt bei 72 Prozent, und seine Fähigkeit, das Spiel von hinten zu eröffnen, gibt Frankreich eine zusätzliche Dimension im Spielaufbau. Konaté bringt die physische Dominanz — 1,94 Meter, schnell für seine Grösse und kopfballstark bei Standards. Theo Hernández auf der linken Seite bringt offensive Power und ist der beste linke Aussenverteidiger der Welt nach seinem Bruder Lucas, der als Innenverteidiger-Backup dient. Jules Koundé rechts liefert die taktische Disziplin und hat unter Deschamps gelernt, seine offensiven Impulse zu kontrollieren, ohne sie zu unterdrücken. Im Tor steht Mike Maignan — schnell, kommunikativ und mit einer Strahlkraft, die Lloris‘ Abgang vergessen lässt. Der AC-Milan-Keeper hat in der Serie A die meisten Cleansheets der Saison und seine Reflexe auf der Linie gehören zum Besten, was der Weltfussball zu bieten hat.

Die Offensive jenseits von Mbappé und Griezmann bietet Optionen, die anderen Teams den Atem rauben: Ousmane Dembélé mit seinem unberechenbaren Dribbling — kein Verteidiger der Welt weiss, ob er nach links oder rechts zieht, und genau das macht ihn so gefährlich. Randal Kolo Muani als Stosstürmer bringt die Physis und das Kopfballspiel, das Mbappé fehlt, und hat bei der WM 2022 im Finale beinahe den Siegtreffer erzielt. Marcus Thuram bei Inter Mailand hat sich zum treffsichersten französischen Stürmer der Serie A entwickelt und bietet als physische Alternative zu Mbappé eine völlig andere Dynamik. Deschamps kann je nach Gegner und Spielverlauf vier verschiedene offensive Systeme spielen — 4-2-3-1 mit Griezmann als Zehner, 4-3-3 mit drei schnellen Stürmern, 3-5-2 mit Mbappé und Thuram als Doppelspitze, oder ein defensives 4-4-2 mit Mbappé und Kolo Muani — ohne an Qualität einzubüssen. Dieser taktische Luxus ist der Grund, warum Frankreich Favorit Nummer eins ist.

Qualifikation und Formkurve

In der Qualifikation fragte mich ein Kollege: „Warum schauen wir uns Frankreich überhaupt an? Die qualifizieren sich doch im Schlaf.“ Er hatte recht — und gleichzeitig nicht. Die Bleus gewannen ihre Gruppe mit 28 Punkten aus 10 Spielen, 32:4 Toren und einem Torverhältnis, das jede Statistik dominierte. Mbappé allein erzielte 9 Tore, Griezmann steuerte 6 Assists bei, und die Defensive liess nur 4 Gegentore zu — weniger als ein Tor alle zwei Spiele. Aber die Art und Weise offenbarte auch Muster, die bei einer WM relevant werden.

Gegen die schwächeren Gruppengegner — Gibraltar, Moldau und Bosnien — erzielte Frankreich 24 seiner 32 Tore. Die Spiele waren taktische Übungen, bei denen Deschamps seine Formationen testete und Spielern Einsatzminuten verschaffte. Gegen die Niederlande und Griechenland, die ernsthaften Konkurrenten, war die Bilanz bescheidener: 3:1 in Paris gegen die Niederlande in einem Spiel, das Mbappé mit einem Doppelpack entschied, aber ein 1:1 in Eindhoven, wo Xavi Simons‘ Ausgleich in der 78. Minute zeigte, dass Frankreichs Abwehr unter konstantem Druck Risse bekommt. Das 2:1 in Athen gegen Griechenland wurde erst in der 88. Minute durch Mbappé entschieden — ein Spiel, in dem Griechenland mit einer 5-4-1-Formation den französischen Angriff über 80 Minuten neutralisierte. Diese Ergebnisse zeigen: Frankreich dominiert Schwächere mit erdrückender Überlegenheit, hat aber gegen organisierte Gegner mit klarem Plan Mühe, das Spiel zu kontrollieren — ein Muster, das in der K.-o.-Runde einer WM zum Problem werden kann, wo jeder Gegner einen Plan hat.

Die Formkurve seit der Euro 2024 — wo Frankreich im Halbfinale an Spanien scheiterte, ohne ein einziges Tor aus dem offenen Spiel erzielt zu haben — ist dennoch beeindruckend. 14 Siege in 16 Spielen, darunter Erfolge gegen Portugal, England (Freundschaftsspiel) und Brasilien. Die Offensivprobleme der EM scheinen gelöst: In den 16 Spielen nach der EM erzielte Frankreich 42 Tore, davon 31 aus dem Spiel heraus — ein Schnitt von 2.6 pro Partie, der die Zweifler verstummen liess. Deschamps hat die Mannschaft nach der EM-Enttäuschung stabilisiert und mit der Integration junger Spieler wie Désiré Doué und Warren Zaïre-Emery die Zukunft eingeleitet, ohne die Gegenwart zu opfern. Zaïre-Emery, erst 19 und bei PSG Stammspieler, könnte die Überraschung des Turniers werden — sein Reifeprozess in den letzten 18 Monaten war rasant, und Deschamps vertraut ihm bereits in wichtigen Spielen. Die einzige Niederlage — ein 0:1 gegen Spanien im Nations-League-Halbfinale — bestätigte: Spanien bleibt Frankreichs Angstgegner, der einzige, gegen den Deschamps in acht Turnierspielen keine Lösung findet.

Gruppe I — Senegal, Norwegen, Irak

Gruppe I ist auf dem Papier die komfortabelste Gruppe, die Frankreich seit 2014 (Schweiz, Ecuador, Honduras) zugelost bekam. Senegal ist ein respektabler Gegner, der bei der letzten WM das Achtelfinale erreichte, Norwegen hat mit Erling Haaland einen Weltklassespieler, der jede Defensive im Alleingang bestrafen kann, und der Irak ist eine Bereicherung für das Turnier, aber kein Team, das Frankreich ernsthaft in Bedrängnis bringen wird. Deschamps wird die Gruppenphase als Vorbereitungsphase nutzen — rotieren, testen, Rhythmus finden. Ich sage voraus: 9 Punkte, Gruppensieg, und ein ruhiger Deschamps, der in den Gruppenspielen seine Stars für die K.-o.-Runde schont, wo die echten Prüfungen warten.

Senegal, der Afrikameister von 2022, bringt ein Team mit, das physisch stark und taktisch diszipliniert ist. Sadio Mané ist nicht mehr im Kader, aber Ismaïla Sarr, Nicolas Jackson und Iliman Ndiaye bilden eine neue Offensivreihe, die Tempo und Torgefahr vereint. Jackson hat sich bei Chelsea als Stosstürmer etabliert und bringt die Premier-League-Härte mit, die bei einer WM gefragt ist. Im Mittelfeld ist Nampalys Mendy der ruhige Ballverteiler, während Pape Matar Sarr von Tottenham die dynamische Komponente liefert — sein Aktionsradius und seine Fähigkeit, Box-to-Box zu spielen, machen ihn zum gefährlichsten Mittelfeldspieler des Teams. Senegal wird Frankreich nicht ängstlich begegnen — die Erinnerung an 2002, als Senegal im Eröffnungsspiel den amtierenden Weltmeister Frankreich mit 1:0 besiegte, lebt in der afrikanischen Fussballkultur weiter. Papa Bouba Diops Tor gegen Barthez, der Jubeltanz auf dem Rasen von Seoul — diese Bilder haben eine Generation inspiriert. Ein Ergebnis, das mich damals als jungen Analysten faszinierte und das zeigt: Auf der WM-Bühne ist alles möglich, besonders wenn ein Aussenseiter nichts zu verlieren hat.

Norwegen hat ein Weltklasse-Problem: Erling Haaland. Der Manchester-City-Stürmer erzielt Tore wie am Fliessband — über 200 Klubtore vor seinem 26. Geburtstag —, aber die Mannschaft um ihn herum reicht nicht aus, um die individuelle Klasse in ein funktionierendes Kollektiv zu übersetzen. Martin Ødegaard als Spielmacher von Arsenal ist die zweite Kraft, und sein linker Fuss produziert gefährliche Freistösse und präzise Steilpässe auf Haaland. Doch Norwegens Defensive und Kadertiefe liegen unter europäischem Durchschnitt — in der Qualifikation kassierte man 14 Gegentore in 10 Spielen, ein Wert, der gegen Frankreichs Offensive fatale Folgen haben dürfte. Für Frankreich wird dieses Spiel ein taktisches Schachspiel: Haaland neutralisieren — was Saliba und Konaté zugetraut werden kann, beide haben in der Premier League regelmässig gegen Haaland gespielt — und über die Flügel angreifen, wo Norwegen verwundbar ist. Ich erwarte ein 2:0 oder 3:1 für Frankreich, mit mindestens einem Haaland-Treffer, weil selbst die beste Abwehr ihn nicht über 90 Minuten komplett ausschalten kann.

Der Irak, der sich über die interkontinentalen Playoffs qualifizierte, ist der Neuling der Gruppe und wird versuchen, jeden Punkt als Bonus mitzunehmen. Die irakische Mannschaft hat in der asiatischen Qualifikation und den anschliessenden Playoffs gegen afrikanische Gegner mit ihrer Leidenschaft und taktischen Disziplin überzeugt. Trainer Jesús Casas hat ein System installiert, das auf einer massiven Fünferkette basiert und den Gegner dazu zwingt, Lösungen gegen eine tief stehende Mauer zu finden. Aymen Hussein als Stosstürmer ist die grösste individuelle Bedrohung — er erzielte in der Qualifikation 7 Tore und hat den Instinkt, aus wenigen Chancen das Maximum zu holen. Gegen Frankreich wird der Irak eine Mauer errichten und hoffen, dass ein Standard oder ein Konter das Unmögliche möglich macht. Für die irakischen Spieler ist allein die Teilnahme an einer WM ein Lebenstraum, und diese emotionale Energie kann in einem Gruppenspiel überraschende Kräfte freisetzen — auch wenn sie gegen Frankreichs Qualität letztlich nicht ausreichen dürfte.

Quoten und Titelchancen

Bei einer Tasse Kaffee in Schaan studierte ich letzte Woche die Quotenbewegungen der letzten sechs Monate. Frankreichs Titel-Quote ist von 6.50 nach der EM 2024 auf 5.50 gefallen — ein Rückgang, der die wachsende Überzeugung der Buchmacher widerspiegelt, dass die Bleus die beste Mannschaft des Turniers stellen. Mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent sind sie klar die Nummer eins, vor England (6.50, 15.4 Prozent), Brasilien (7.50, 13.3 Prozent) und Argentinien (8.00, 12.5 Prozent).

Die Gruppensieg-Quote bei 1.18 und das Weiterkommen bei 1.02 sind Formsache — es gibt praktisch kein Szenario, in dem Frankreich in einer Gruppe mit Senegal, Norwegen und dem Irak scheitert. Selbst wenn Deschamps in allen drei Spielen rotiert und B-Besetzungen aufstellt, reicht die Kadertiefe für den Gruppensieg. Interessanter wird es in den Turniermärkten: „Frankreich erreicht das Finale“ steht bei 2.80, „Frankreich wird Weltmeister“ bei 5.50. Der Spread zwischen Finale und Titel — 2.80 versus 5.50 — zeigt, dass die Buchmacher ein Szenario einpreisen, in dem Frankreich das Finale erreicht, aber dort scheitert, wie 2022 gegen Argentinien. Dieser Spread bietet eine analytische Einsicht: Die Wahrscheinlichkeit, dass Frankreich das Finale erreicht, liegt bei rund 36 Prozent, die Wahrscheinlichkeit, es dann zu gewinnen, bei etwa 50 Prozent. Diese Zahlen passen zu meiner Einschätzung.

Für Value-Sucher bietet „Mbappé wird WM-Torschützenkönig“ bei 7.00 eine attraktive Option — er ist der beste Stürmer im besten Team, spielt als zentrale Spitze und hatte bei der letzten WM bereits 8 Tore in 7 Spielen. Historisch gewann der Torschützenkönig der letzten vier WM-Turniere dreimal mit einem Team, das mindestens das Halbfinale erreichte — ein Muster, das Mbappé begünstigt. Eine weitere Option: „Frankreich kassiert in der Gruppenphase weniger als 2 Tore“ bei 1.75 — Maignans Defensive hat in der Qualifikation nur 4 Tore in 10 Spielen zugelassen, und die Gruppengegner haben nicht die offensive Klasse, um diese Abwehr regelmässig zu durchbrechen.

Kommt der dritte Stern?

Deschamps ist der einzige lebende Mensch, der als Spieler und als Trainer den WM-Titel gewonnen hat. Gelingt ihm 2026 die Titelverteidigung, steht er allein in der Fussballgeschichte — ein Antrieb, der nicht unterschätzt werden sollte. Der Mann, der seit 2012 die Bleus führt, hat eine Ruhe und eine Autorität, die jeden Sturm überstehen. Nach dem verlorenen EM-Halbfinale 2024 gegen Spanien fragte die französische Presse, ob es Zeit für einen Neuanfang sei. Deschamps‘ Antwort war typisch: Er sagte nichts, gewann die nächsten sechs Spiele und liess die Ergebnisse sprechen.

Meine Prognose: Frankreich erreicht mindestens das Halbfinale, mit einer 45-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf das Finale und einer 25-prozentigen Chance auf den Titel. Die grössten Risiken sehe ich in zwei Szenarien: Erstens, eine Verletzung Mbappés, die das gesamte Offensivkonzept zerstören würde — kein Ersatzspieler kann seine Kombination aus Geschwindigkeit und Abschluss replizieren. Zweitens, ein taktisch überlegener Gegner im Halbfinale — Spanien, das Frankreich bei den letzten beiden Turnieren eliminierte, lauert auf der gleichen Bracket-Seite, und Luis de la Fuentes Team hat den Code geknackt, um Deschamps‘ Defensive zu überwinden.

Was mich optimistisch stimmt: Die Kadertiefe ist so gross, dass selbst der Ausfall von zwei Stammspielern kompensiert werden kann. Frankreich ist das einzige Team, das in jeder Position zwei Weltklassespieler hat — das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen Ausbildungsrevolution, die mit der Clairefontaine-Akademie begann und heute Früchte trägt wie nie zuvor. Was mich skeptisch macht: Deschamps‘ Tendenz, in wichtigen Spielen zu defensiv zu agieren — das Halbfinale gegen Marokko 2022, wo Frankreich eine Stunde lang litt, bevor Theo Hernández erlöste, ist ein Beispiel. Gegen die absolute Weltspitze reicht Verteidigen und Kontern nicht immer — manchmal muss man das Spiel dominieren, und genau das fällt Frankreich unter Deschamps schwer.

Der dritte Stern ist möglich, und die Quoten bei 5.50 spiegeln eine realistische Chance wider. Aber ich setze mein Geld lieber auf kürzere Märkte: Halbfinale bei 1.90 oder Mbappé als Torschützenkönig bei 7.00. Das Gesamtpaket Frankreich ist beeindruckend, aber der Weg zum Titel führt über sieben Spiele in fünf Wochen, und selbst die beste Mannschaft der Welt kann an einem schlechten Tag ausscheiden — das hat die Geschichte oft genug bewiesen. Die komplette Teamübersicht zeigt, wo Frankreich im Gesamtfeld steht.

Ist Frankreich der Favorit auf den WM-Titel 2026?
Ja, die Buchmacher sehen Frankreich als klare Nummer eins mit Dezimalquoten von etwa 5.50 auf den Titel. Das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent — der höchste Wert aller 48 teilnehmenden Teams.
In welcher Gruppe spielt Frankreich bei der WM 2026?
Frankreich trifft in Gruppe I auf Senegal, Norwegen und den Irak. Die Gruppe gilt als eine der leichteren im Turnier, und Frankreich ist klarer Favorit auf den Gruppensieg.
Wie viele WM-Tore hat Kylian Mbappé?
Mbappé erzielte bei der WM 2018 vier Tore (inklusive Finaltreffer gegen Kroatien) und bei der WM 2022 acht Tore (inklusive Hattrick im Finale gegen Argentinien). Insgesamt steht er bei 12 WM-Toren in 14 Spielen — eine Quote, die ihn zum gefährlichsten aktiven WM-Torschützen macht.